Zwischenruf

Nachklang 5. Online-Treffen · Wie zeigst du dich?

Wieder einmal 3 intensive Stunden gemeinsamen "Wolkens", gemeinsames erkunden, gemeinsames denken und nicht-denken, gemeinsames spüren · alle gemeinsam und gleichzeitig jede und jeder für sich. Ein Raum entstand, der so unterschiedlich wie die Menschen in ihm waren · und doch war es nur ein Raum.

Klingt merkwürdig, klingt paradox, klingt wie das pure Leben. Widerspruchsfreiheit, Klarheit, Vorhersehbarkeit sind Illusionen, die uns zwar tragen, aber nicht existieren. Für mich kam dies gestern Abend auch in der Frage zum Ausdruck, ob die Wegweise "nutze die Stille" und "spreche zuerst, denke dann" sich nicht widersprechen. Ja, das tun sie · und sie tun es nicht. Wie wäre es, zu spüren, in seine Mitte zu fühlen, und dann daraus zu sprechen, ohne den Verstand zu bemühen, sich einzuschalten? Geht das? Ist das nicht gefährlich?

All diese Worte sind Nachklang des gestrigen Treffens. Der mit zunehmender Dauer intensiv und intensiver wurde, so dass wir noch gut 3 weitere Stunden weitermachen hätten können. 

Was nehme ich persönlich mit? Wo fange ich an · wo höre ich auf?

Der Abend begann ruhig mit einem leisen Paukenschlag. Die Befindlichkeitsrunde war von kurz, intensiv bis "ich kann gerade mich nicht einbringen" getragen. Für mich so wertvoll, gut für sich selbst zu sorgen. Nein zu sagen, wo ein Ja ein Verrat an sich selbst wäre.

Sich zeigen, authentisch sein. Was zeige ich, was zeige ich nicht? Wenn ich etwas nicht zeige, ist dies keine Lüge, sondern eine bewusste Wahl was ich äußere?

Was hat verstellen damit zu tun? Wo beginne ich mich zu verstellen und zeige mich nicht mehr? Oder ist alles Sein ein sich zeigen, auch ein sich verstellen?

Zeige ich ungute, als negativ bewertete Gefühle? Wie antworte ich auf die Frage: Wie geht es dir? → Wenn es mir schlecht geht? Kann ich mich zumuten? Kann mein Gegenüber dies er-tragen? Woran scheitert es, dass ich es nicht teile? An mir oder meiner Erwartung an das Verhalten des Gegenübers?

Was sind Konsequenzen, wenn du dich zeigst? Hast du dich jemals wirklich gezeigt? So wirklich wirklich – nicht nur so halbwirklich? Lohnt es sich, Gefühle zu zeigen? Wenn ja, wo · und wo nicht (mehr)? Zeigst du Gefühle nur, wenn sie nicht gegen dich verwendet werden können?

Ist es überhaupt wichtig, sich zu zeigen? Reicht es nicht zu "sein"? Ist nicht alles ein Ausdruck von mir, ein Teil von Thomas sein? Oder ist ein sich nicht zeigen eine Verweigerung vor der eigenen Individualität? wenn ich mich nicht zeige, dann stehe ich nicht zu mir selbst, dann verlasse ich mich, um anderen zu gefallen?

Habe ich ein Umfeld, in dem ich mich zeigen kann, darf, soll? Wenn nein, warum nicht? Wenn ich den Spiegel drehe, biete ich ein Umfeld, indem andere sich wirklich wirklich zeigen können, dürfen, sollen?

Am Ende kamen wir zur Schuld. Sich zu Ent-Schulden klingt sehr nach Finanzen, doch wofür entschuldigen wir uns. Welche Schuld haben wir auf uns "geladen", "genommen"? Gibt es Schuld? Oder ist es ein Erklären, was passiert ist, für ein Verhalten · für das ich die Verantwortung übernehme?

Was für ein Ritt durch den Abend. Danke an alle, die mitgeritten sind. Es war wunder-VOLL.