2. September 2026
Wer bist du, wenn du aufhörst zu wollen?
Viele Menschen wollen etwas werden. Sie streben einem Ziel zu, wollen etwas lernen, Potenziale entfalten, strengen sich an. Sie leben in der Zukunft, sie klammern sich an das Bild, das sie sein wollen.
Die Welt verkümmert zum Objekt ihrer Anstrengungen. Vieles wird nur noch instrumentalisiert. Nützt es meinem Ziel, hilft es mir, der oder die zu werden, die ich sein möchte · oder nicht? Wenn nicht, wird es wertlos, nutzlos, sinnlos. Wir wählen es ab, wir verlassen es, wir werten es ab, grenzen es aus.
Dies betrifft Menschen, denen wir begegnen · aber auch scheinbar unbelebten Dingen wie Steinen. Die wir nach deren Wirkung kaufen, wir wollen diese Wirkung von ihnen, sie sollen uns nutzen, wir programmieren sie dafür. Oder Symbole, die uns dienen sollen. Pflanzengeister, die wir anrufen, damit sie uns unterstützen. Die Liste ist unendlich lang. Alles verkommt zum Mittel. Jedes verliert sein Wesen.
Dieses etwas-werden-wollen, etwas darstellen-müssen · zerstört nicht nur den Augenblick, die Präsenz allen Seins, es degradiert dich selbst zum Objekt (genauer zum gegenwärtigen Defizit), weil du deine Welt zum Objekt erklärst. Jede Lebendigkeit geht verloren, die Funktion übernimmt. Dein Leben fühlt sich leer und sinnlos an. Du rennst etwas hinterher, dessen Sinn nicht durch dich kam, sondern meist von außen an dich herangetragen wurde. Diesen feinen Unterschied erkennen viele nicht mehr, weil das eigene Licht nur noch marginal leuchtet. Was sie selbst wollen, verblasst somit immer mehr. Momente der Stille, um dies zu erkennen, meiden diese Menschen · zu gefährlich, die innere Leere könnte sie überwältigen.
Was ist die Alternative?
Sein, im Jetzt, so wie du bist. Nicht mehr, nicht weniger. Kein wollen. Kein streben. Kein fixen. Kein optimieren. Kein erreichen. Sein. Pur. Du. Jetzt. Hier.
Atmen. Spüren. Da sein. Wer ist noch da? Berühren, ohne zu intendieren. Am Ende aufhören zu wollen, gar nichts mehr. Da sein.
Jeder von uns konnte dies. Früher. Wir haben es nur vergessen. Erinnere dich. An dich. Ohne zu wollen. Wuwei, heißt dies auch in China.
Doch sei achtsam. Zwischen dem Werden-Wollen und dem Sein lauert eine Falle. Das Sein-Wollen. Wir wollen etwas darstellen, für andere, wollen Scheinen, präsentieren, performen. Im Augenblick jetzt. Du praktizierst nicht Yoga, sondern du willst das andere sehen, wie toll du im Yoga bist · das ist Sein-Wollen · das ist Scheinen.
Während Werden-Wollen dich in die Zukunft zieht · und weg vom Augenblick, zieht dich Sein-Wollen weg von dir selbst · obwohl du im Augenblick bist. Andere Richtung, ähnliche Wirkung. Du verfehlst dich selbst. Du lebst ein fremdes Leben. Du wirst zu einer Kopie, statt ein Original zu sein.
Meine Räume laden dazu ein. Einfach Da-Sein. Sie bieten einen Raum dafür, laden dich ein · aber sie können es nicht machen, das kannst nur du selbst. Und ein Besuch eines Neuer Sokratischer Dialogkreises reicht manchmal, um dies zu spüren · aber manchmal gelingt dies nicht beim ersten Mal. Eine Auszeit in Präsenz ist ein anderer Raum. Intensiver, persönlicher, mit Qigong · einer alten Bewegungsform aus China, 2 Tage statt 3 Stunden. Termine findest du hier.
Hinweis: Inspiriert durch den Beitrag von Darrel Combs, https://darrelcombs.com/die-weisheit-der-steine/ 26.08.2026